Ich kenne Priester mit Frauen, Frauen, die Priester sein wollen, Leute von „Wir sind Kirche" und vom Opus Dei — alle nett, alle wollen dasselbe, alle klingen jesus-like. Und sind sich doch spinnefeind. Warum? Ein Verdacht von außen: Der Streit geht fast nie um die Quelle. Er geht um die Verwaltung des Zugangs.
Ich kenne Priester mit Frauen und Frauen, die Priester sein wollen. Ich kenne Leute von „Wir sind Kirche" und Leute vom Opus Dei. Katholiken, Altkatholiken, Protestanten. Und ich, der das alles von außen ansieht, weil ich nicht weiß, ob da oben jemand ist.
Das Merkwürdige ist: Sie sind alle nett. Wirklich. Ich habe mit keinem geredet, dessen Argumente ich nicht nachvollziehen konnte. Jeder von ihnen will, so gut ich das beurteilen kann, dasselbe — ein Leben, das mehr ist als Konsum und Angst; einen Halt, der trägt; etwas Gutes für die Menschen um sie herum. Und jeder klingt, wenn er von seinem Glauben spricht, ein bisschen wie der, auf den sie sich alle berufen. Gütig. Zugewandt. Jesus-like.
Und trotzdem sind sie sich in der Sache spinnefeind. Bei den einen darf der Laie predigen; bei den anderen würde man ihm das Evangelium nicht in die Hand geben. Die einen dürfen Sex haben und Priester sein, die anderen nicht. Hier Geschlechtertrennung, dort undenkbar. Dieselben vier Evangelien, dieselbe Bergpredigt, derselbe Tisch — und am Ende steht eine Wand zwischen ihnen, an der man sich stößt.
Als Außenstehender fragt man sich: Wie geht das? Wie kann man vom Selben reden, gütig, glaubwürdig — und trotzdem konträr sein?
Mir ist beim langen Zusehen ein Verdacht gekommen, und er ist unbequem für alle Seiten. Der Streit geht fast nie um die Quelle. Er geht um die Verwaltung des Zugangs.
Die Botschaft teilen sie sich. „Liebe deinen Nächsten." „Die Letzten werden die Ersten sein." „Kommt alle zu mir." Darüber gibt es erstaunlich wenig Streit. Der Streit fängt an der Tür an. Wer darf reden? Wer darf die Gaben segnen? Wer darf dazugehören, wer nicht? Wer darf den anderen verheiraten, zulassen, zurückweisen? Es geht nicht um den Inhalt des Hauses. Es geht darum, wer den Schlüssel hält.
Und da wird es hart. Denn wer die Schwelle verwaltet, hat Macht — nicht unbedingt böse Macht, oft eine, die sich selbst für Treue hält, für Bewahrung, für Gehorsam gegenüber etwas Größerem. Aber es ist eine Ordnung, und Ordnungen begründen sich durch das, was sie ausschließen. Ohne ein Draußen kein wertvolles Drinnen. Der Zölibat, das Predigtrecht, die Frauenfrage, die Trennung der Geschlechter — das sind, nüchtern betrachtet, lauter Antworten auf dieselbe eine Frage: Wo verläuft die Grenze, und wer zieht sie?
Das löst für mich das Rätsel. Zwei Menschen können denselben Satz von der Liebe glauben, im selben warmen Ton, und sich trotzdem an der Tür in die Haare kriegen — weil die Liebe der Inhalt ist und die Tür die Macht. Und über Macht wird man selten einig, auch nicht unter Frommen. Vielleicht gerade nicht unter Frommen: weil hier jeder überzeugt ist, die Grenze nicht selbst zu ziehen, sondern nur zu verwalten, was ihm anvertraut wurde.
Ich will das nicht kleinreden und schon gar nicht verächtlich machen. Für den, der drinsteht, ist die Frage, wer den Leib brechen darf, keine Kleinigkeit und kein Machtspiel — sie ist ernst, uralt, existenziell. Ein Agnostiker, der das als bloße Bürokratie abtut, hat nicht hingehört. Die Grenze zu bewachen kann Treue sein. Die Grenze zu öffnen kann Verrat sein — oder Befreiung. Beides ehrlich gemeint, beides mit guten Gründen. Das ist ja das Verrückte an der Sache.
Nur eines fällt mir auf, wenn ich die Geschichten selbst lese, um die es geht: Der, auf den sie sich alle berufen, steht in fast jeder Szene auf der falschen Seite der Tür. Er redet mit der Frau, mit der man nicht redet. Er isst mit denen, die nicht dazugehören. Er lässt den Ungelernten sehen, was die Fachleute übersehen. Er reißt heilige Orte ab und sagt, es komme nicht auf den Ort an. Wo immer eine Schwelle gezogen ist, scheint er auf der Schwelle zu stehen und sie ein Stück weiter aufzuschieben.
Vielleicht ist das der Grund, warum keiner die Türfrage je endgültig gewinnt. Die Quelle, die sie alle verwalten, hält sich selbst nicht an die Verwaltung. Sie gibt sich weg, umsonst, an die Falschen, ohne Prüfung. Und jede Ordnung, die den Zugang zu ihr regelt — so treu, so gut gemeint sie auch sei —, steht damit in einem stillen Dauerkonflikt mit dem, was sie hütet.
Ich weiß nicht, wer recht hat. Ich weiß nicht einmal, ob „recht haben" hier die richtige Kategorie ist. Aber ich habe aufgehört, mich zu wundern, dass alle dasselbe wollen und sich trotzdem nicht einig werden. Sie sind sich über das Haus einig. Sie streiten über die Tür. Und die Tür, so scheint mir, war nie das Eigentliche.
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